Vier Monate
Softwareentwicklung
mit KI-Agenten.Was wirklich trägt.
Mein erster Erfahrungsbericht seit der Gründung von Enqraft: eine Person mit KI-Agenten, eine Event-Plattform kurz vor dem Go-live. Was funktioniert hat, was nicht und was das für Entwicklungsteams, Führungskräfte und Unternehmen bedeuten kann.


- Monate, von Ende Mai bis Anfang Oktober
- 4½
- Zeilen im Repository: Code, Tests, Doku, Migrationen
- 1.070.000
- Tickets geschlossen, Median-Laufzeit 4,7 Stunden
- 1.621
Erzählt habe ich davonbeim letzten dasw-Treffen.
Ich hatte das Glück, mit der Gründung von Enqraft im Juni direkt Teil eines Netzwerks erfahrener Digitalagenturen zu werden: der Digitalagenturen Südwest. Die Geschäftsführer tauschen sich dort offen aus, locker und freundschaftlich und ganz ohne Buzzword-Bingo.
Natürlich dreht sich dabei gerade viel um KI. Eine gute Gelegenheit, Einblick in meine ersten vier Monate zu geben und in der Runde Erfahrungen dazu auszutauschen.



Was ich in vier Monatengelernt habe.
Acht Erfahrungen aus dem Vortrag in Kurzform.
Eine Einordnung vorweg: Das Projekt startete als Neubau, inzwischen betreffen rund zwei Drittel der Änderungen bestehenden Code. Gebaut habe ich allein, mit langer Erfahrung, und live ist die Plattform noch nicht. In über Jahre gewachsenen Systemen mit gemischten Teams sieht manches anders aus.
01Die Agenten sind schnell. Mithalten ist Arbeit.„Fast jede zweite Eingabe ging an eine andere Sitzung als die vorherige.“14Sitzungen an einem Arbeitstag, im Wechsel bedientWeiterlesen
Jede Nachricht bündelt oft fünf und mehr Fragen.
Die Agenten arbeiten nicht von allein. Um mit ihnen Schritt zu halten und ihre Rückfragen und Spezifikationen einzuordnen, braucht es volle Konzentration. An einem Arbeitstag kamen im Schnitt 79 Eingaben von mir und 57 Rückfragen der Agenten zusammen. Und das zählt knapp: Eine Rückfrage bündelt oft fünf und mehr einzelne Fragen, eine Eingabe entsprechend viele Antworten. Real sind es also eher drei- bis zehnmal so viele Entscheidungen. Dazu kommt das Warten: Während ein Agent arbeitet, startet man die nächste Aufgabe. So werden Kontextwechsel, die man früher möglichst vermieden hat, zur Regel. Fast jede zweite meiner Eingaben ging an eine andere Sitzung als die vorherige.
02Vom Entwickler zum Teamleiter von Agenten.„Statt ein Thema konzentriert im Flow zu bearbeiten, orchestriere ich mehrere parallel.“75 %der Rückfragen fallen beim Klären der Anforderungen an, was nur 9 % der Agentenarbeit ausmachtWeiterlesen
Mit den Agenten fühlt sich die Arbeit an wie in meiner Zeit als Führungskraft. Als Entwickler habe ich immer versucht, möglichst konzentriert im Flow an einem Thema zu arbeiten und Kontextwechsel zu vermeiden. Statt eines Themas im Flow laufen jetzt mehrere parallel, und meine Aufgabe ist, sie zu orchestrieren. Das klappt nur, wenn die Arbeit so organisiert ist, dass ich einzelne Blöcke konzentriert bearbeiten kann: eine Anforderung klären oder eine fertige Funktion abnehmen. Alles andere läuft währenddessen weiter. Der Aufwand dafür lohnt sich: Ist eine Aufgabe sauber geklärt, fragt der Agent kaum noch nach, aktuell 0,5 Rückfragen auf 1.000 Arbeitsschritte.
03Der Arbeitsablauf macht den Unterschied.„Der Agent arbeitet rund um die Uhr, ich in fokussierten Blöcken.“17 hdauerte der längste Lauf ohne Eingriff, vom frühen Nachmittag bis zum nächsten MorgenWeiterlesen
- 1Einfache Prompts
- 2Prompt Engineeringimmer spezifischere, ausgefeiltere Prompts
- 3Spec-driven Developmentmit superpowers und Kontext-Infos für die Agenten
- 4grill-me von Matt PocockSpecs entstehen im Dialog statt im langen Review
- 5Ticket-Läufe.yoshi arbeitet Tickets parallel ab, auch nachts
Wie man mit KI-Agenten arbeitet, ändert sich ständig. Angefangen hat es mit einzelnen Prompts, zum Start dieses Projekts setzte ich auf Spec-driven Development. Heute organisiere ich meine Arbeit und die der Agenten mit yoshi, einem Werkzeug, das Tickets in Läufen abarbeitet. Aus vielen kleinen Prompts wurde eine klare Arbeitsteilung: Die Agenten arbeiten parallel an mehreren Strängen der Software, im besten Fall rund um die Uhr, und ich muss mich nicht alle paar Minuten einer neuen Frage widmen.
Seit September hat yoshi in 171 Läufen 719 Tickets übernommen. Ein Lauf arbeitet seine Tickets ab, ohne dass ich eingreife, und wartet sogar das Nutzungslimit selbst ab. Starte ich ihn abends, ist die Arbeit am Morgen da. Der längste Lauf ging knapp 17 Stunden, vom frühen Nachmittag bis zum nächsten Morgen.
Bis Ende Juli brauchte eine übernommene Änderung im Schnitt 8,7 Eingaben von mir, seit September sind es drei bis fünf. In den viereinhalb Monaten waren acht unterschiedliche Claude- und OpenAI-Modelle im Einsatz, und der Ablauf hat jeden dieser Wechsel überstanden.
04Weniger Kontext, bessere Ergebnisse.„Je größer Projekt und Aufgabe sind, desto früher werden die Ergebnisse schlechter.“3.138250Zeilen Anleitung in jeder Anfrage, Ende August und heuteWeiterlesen
Die Agenten verschaffen sich sehr schnell einen Überblick und füllen dabei genauso schnell den Kontext mit unnötigem, teils irreführendem Ballast. Ab einem Punkt werden die Ergebnisse spürbar schlechter, und je größer Projekt und Aufgabe sind, desto früher ist er erreicht. Am stärksten wirkt, was in jeder Anfrage steckt: die zentrale Anleitung für die Agenten. Anfang Juni hatte sie 66 Zeilen. Weil jeder Lauf seinen Bericht anhängte, waren es Ende August 3.138, und die gingen bei jeder einzelnen Anfrage mit. Eine neue Sitzung brachte damit rund 100.000 Tokens Kontext mit, bevor der Agent überhaupt etwas getan hatte, fast doppelt so viel wie im Juli. Heute deckelt ein Test die Anleitung auf 20 KB, gut 250 Zeilen. Der Rest steht in gut 20 Fachdokumenten, die die Agenten nur bei Bedarf lesen.
Außerdem hilft es, große Vorhaben in kleine Aufgaben zu zerlegen, die jeweils mit frischem Kontext starten, und Recherche an Hilfsagenten abzugeben, die nur ihr Ergebnis zurückgeben. Je mehr Projektwissen die Agenten erreichen (Code, Notion, Doku, Storybook, Design-System), desto besser werden die Ergebnisse. Eine einzelne Aufgabe braucht davon aber nur einen kleinen Teil. Deshalb muss das Wissen so geordnet sein, dass die Agenten das Passende finden.
05Qualität kommt aus Routinen.„Wogegen der Agent prüft, muss jemand festlegen.“14Prüf-Kommandos je Code-Änderung, gegen festgelegte Muster und EntscheidungenWeiterlesen
- gegenGestaltungsmuster und Komponenten
- gegendokumentierte Architekturentscheidungen
- im RhythmusCode- und Architektur-Reviews
- 1× pro Wochebaue ich selbst, die KI prüft nur
Die meiste Zeit verbringt der Agent mit Prüfen: Auf jede Änderung am Code kommen gut 14 Kommandos, die nachsehen, ob sie stimmt. Entscheidend ist aber, wogegen er prüft, und das muss jemand festlegen. Bei mir sind das feste Gestaltungsmuster und Komponenten, dokumentierte Architekturentscheidungen sowie Code- und Architektur-Reviews in festem Rhythmus. Solche Vorgaben machen den Unterschied zwischen irgendeiner Lösung und einer, die reproduzierbar gut ist und lange trägt. Ohne sie wird aus schnellem Code mit der Zeit Spaghetti-Code. Damit ich den Code nicht aus den Augen verliere, baue ich außerdem einmal pro Woche ein Ticket selbst und lasse die KI nur prüfen.
06Software entsteht nicht auf Knopfdruck.„Viele Entscheidungen tauchen erst während der Umsetzung auf.“48von 57Architekturentscheidungen fielen erst während der EntwicklungWeiterlesen
nächster Zyklus: Stunden statt eines Sprints
Die Dark Factory halte ich für unrealistisch. Dass eine Aufgabe hineingeht und fertige Software herauskommt, ohne dass dazwischen ein Mensch steht, sehe ich nicht. Viele Entscheidungen tauchen erst während der Umsetzung auf, in der Architektur genauso wie bei UX und Produkt-Fragen. Das reine Entwickeln läuft inzwischen fast ohne mich: Bei über 840 Tickets, die Agenten in Läufen umgesetzt haben, fiel genau eine Rückfrage. Drei von vier enden aber mit einem Bericht, der mir etwas zur Entscheidung vorlegt. Jedes dritte ist von der Spezifikation abgewichen, weil sich beim Entwickeln etwas anders herausgestellt hat.
Deshalb gilt, was schon in der agilen Entwicklung galt: Keep it simple, stupid (KISS) und „Release early, release often“, um früh Feedback zu bekommen. Nur dauert ein Zyklus heute Stunden statt eines ganzen Sprints. Mit einem Prompt allein entsteht immer noch keine Software. Unternehmen und Prozesse sind komplex, viele Details machen den Unterschied, und die 80/20-Regel greift wie so oft voll zu.
07Erfahrung bleibt entscheidend.„Beantworten kann man auch ohne Erfahrung, nur nicht gut.“3.304Rückfragen, von Migrationsreihenfolge bis BerechtigungsgrenzenWeiterlesen
Ohne Erfahrung kann man nicht Schritt halten. Rückfragen und Vorschläge wollen eingeordnet, hinterfragt und ergänzt werden. Bei mir ging es um Migrationsreihenfolgen, Transaktionsgrenzen und Berechtigungsgrenzen. Beantworten kann man das auch ohne Erfahrung, nur nicht gut. Ein Entwickler wird mit KI bessere Software bauen als jemand, dem dieses Wissen fehlt, und dasselbe gilt für UX, Product Owner und andere Rollen. Trotzdem kommt die KI auch ohne dieses Wissen schon erstaunlich weit, und Entwickler ohne KI sind heute um ein Vielfaches langsamer.
08Noch ist es erstaunlich günstig.„Teurer als die Rechenzeit war meine Aufmerksamkeit.“13.000 €250 €im Monat: rund 13.000 € zum Listenpreis, bezahlt habe ich Abos für ~250 €Weiterlesen
Seit Ende Juni hätten die Agenten zum API-Listenpreis rund 45.400 € gekostet, etwa 13.000 € im Monat. Bezahlt habe ich Abos für ~250 € im Monat. Wie lange diese Subventionierung hält, weiß niemand. Gleichzeitig werden die Modelle besser und günstiger, und offene Modelle laufen inzwischen auch lokal. Teurer als die Rechenzeit war ohnehin meine Aufmerksamkeit: 3.304 Rückfragen und 1.659 Tickets, die jemand durchdenken musste.
Was das für Teamsund Unternehmen heißt.
In den Ablauf investieren.
Ich würde Zeit und Aufmerksamkeit in Werkzeuge, Infrastruktur und Arbeitsablauf rund um die Agenten stecken. Je besser das Wissen organisiert und zugänglich ist, desto schneller und besser liefern sie, und desto verlässlicher lassen sich ihre Ergebnisse wiederholen. Auch das Review verlagert sich. Ein Pull Request lebte bei mir im Median sieben Sekunden, weil schon im Lauf geprüft wird. Menschen nehmen dann ganze Funktionen ab und lesen, was die Läufe zurückmelden.
Fokus auf Kundennutzen statt Kostensenkung.
Mit KI kann ein Unternehmen mehr erreichen als vorher. Von selbst entsteht die Software aber auch mit KI nicht. Der Engpass war bei mir in keiner Woche die Geschwindigkeit der Agenten, er lag immer bei der Klärung durch Menschen. Diese Zeit fehlt an anderer Stelle, und solche Opportunitätskosten werden leicht übersehen, wenn vor allem die mögliche Kostensenkung im Vordergrund steht. Ich würde deshalb den Kundennutzen im Fokus behalten: Was bringt Kunden spürbar weiter, was sind die Kernkompetenzen im Unternehmen und wofür lohnt sich die knappe Aufmerksamkeit?
Eigene Software statt Workarounds.
Mit KI-Agenten rechnet sich Individualsoftware jetzt auch für kleinere Unternehmen. Agenten ersetzen aber keine Erfahrung: Jemand muss die Software über Jahre betreiben und verantworten. Ob sich das für Ihren Ablauf lohnt, zeigt der Eisberg-Check.
Mit Agenten gebaut.Kurz vor dem Go-live.
Registrierung mit Zulassungslogik, Teilnehmerportal, Operations ohne Code und Anbindung an FastBill und TYPO3. Erster Kunde ist MEET THE TOP, die Saison 2027 entsteht darauf.
Projektabläufe mit KI.Für Digitalagenturen.
Ich will Agenturen dabei unterstützen, ihren gesamten Projektablauf mit KI aufzusetzen, vom Kickoff bis zum Betrieb. Mit Kontext, der nicht in einzelnen Köpfen steckt, und Struktur, die jedes Projekt mindestens so gut macht wie das vorherige.
Was ich beim Bau von Enqraft Events gelernt habe, will ich auf Agenturabläufe übertragen. Das Ziel: weniger Routine, mehr Zeit für die Kunden.
- 01Kickoff.Kontext aufbauen
Briefing, Styleguide, Tone of Voice und Projektdaten des Kunden werden strukturiert erfasst, damit Team und Agenten vom selben Stand aus arbeiten.
- 02Prototyp.Wissen verknüpfen
Agenten bauen aus diesem Kontext erste Entwürfe und nutzen dabei Komponenten, Muster und Lösungen, die sich in früheren Projekten bewährt haben.
- 03Umsetzung.Klare Übergänge und Checks
Für jeden Übergang ist festgelegt, was vorliegen und geprüft sein muss. Automatische Prüfungen zu SEO, Performance und Barrierefreiheit sorgen für reproduzierbare Qualität.
- 04Betrieb.Kunden proaktiv betreuen
Änderungen laufen über denselben geprüften Weg, Routinearbeit erledigen Agenten. So bleibt Zeit, Kunden aktiv weiterzubringen, statt nur auf Anfragen zu reagieren.
- Und wieder von vorn.Kontinuierlich verbessern
Mit jedem Projekt wachsen Skills, Muster und Prüfungen, auch wenn neue Modelle und Werkzeuge kommen.
Weitere Pilot-Agenturen willkommen.
Mit einer ersten Agentur baue ich das gerade auf, weitere können sich anschließen. Wie das bei Ihnen aussehen könnte, klären wir am besten im Gespräch.
Als Pilot vormerken